Leidet Venedig unter den zunehmenden Städtereisen?

Sie sind groß, sie sind schön und aufregend. Die Metropolen dieser Welt ziehen zunehmend Touristen in ihren Bann. Städtereisen boomen, ganz sicher, weil sie ein ganz neues Urlaubserlebnis in den Fokus rücken, abseits von überfüllten Stränden. Ganz sicher auch, weil immer weniger Urlauber zwei bis drei Wochen Urlaub am Stück verbringen können und ihre magere Freizeit nicht selten auf Donnerstag bis Sonntag legen. Die Hitliste der schönsten Metropole führt Paris, gleich dahinter auf dem zweiten Platz liegt New York. London, Rom und Berlin folgen. Berlin liegt zwar nicht unter den Top 10, ist aber mit Platz 11 ganz nah dran. Unter den Top 10 liegt auch nicht die Stadt Venedig, dennoch hat Venedig ein riesiges Tourismusproblem. Die italienische Stadt zieht jährlich Millionen Besucher an und genau das macht der Lagunenstadt zunehmend zu schaffen.

Ein Gondelunfall, der nichts verändern wird?
Der dramatische Gondelunfall nahe der Rialto-Brücke hat einen Familienvater vor den Augen seiner Familie das Leben gekostet. So tragisch der Unfall ist, verwundert er doch kaum. Venedig scheint hoffnungslos überfordert angesichts des Touristenstroms, der Venedig überschwemmt. Auf der Hauptverkehrsader, dem Canal Grande, fahren täglich 3.000 Boote hin und her. In den Spitzenzeiten sind es noch einmal 1.000 Boote mehr. Gondelfahrer, Wasser-Taxen und Wasserbusse bevölkern die Wasserstraßen. Mittlerweile scheint, als ob ein heilloses Chaos herrscht. In diese Masse mischen sich dann noch Boote, die Waren transportieren, denn Venedig hat kaum betonierte Straßen. Fast alles muss über das Wasser transportiert werden. Für einige ein einträgliches Geschäft, für Urlauber wird es zur Lebensgefahr?

Ungebremster Tourismus und lohnender Kommerz

Quelle: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Das Problem in Venedig ist hausgemacht. Der ungebremste Tourismus in der Lagunenstadt ist für Geschäftsleute ein einträgliches Geschäft. Auf dem Markusplatz kosten 7 Getränke plus Musik mal eben 100,-. Die Touristen staunten nicht schlecht, der Betreiber zeigt sich ungerührt. Scheint es so, als ob man als Tourist auf dem Markusplatz auch noch für die Aussicht auf die riesigen Kreuzfahrtschiffe zahlen sollte, die dem berühmten Platz immer näher rücken. Ebenfalls ziemlich ungerührt. Venedig platzt aus allen Nähten. Eine Städtereise nach Venedig sollte in keinem Fall während der Hochsaison geplant werden. Dort wo sich Gondeln, Boote und Touristen „stapeln“ findet man kaum noch Ruhe, um die Schönheit Venedigs anzusehen. Die beste Reisezeit kann kaum noch empfohlen werden, denn Venedig hat das ganze Jahr Hochkonjunktur.

Gibt es eine Lösung?
Nun ja, man befindet sich in Italien und dort ticken die Uhren ein wenig anders. Gestritten wird schon lange, passiert ist jedoch nichts. Das ist ein bisschen typisch für Italien, wo heiße Diskussionen nicht selten ins Leere verlaufen. Man wolle Sicherheit schaffen, ein Schleusensystem bauen. Und doch will man auch die Milliarden Euro ausschöpfen, die nach Venedig gebracht werden. Einig werden müssen sich Transportwesen, Tourismus und Politik. Klingt nach einem unlösbaren Problem und das ist es auch. Diese Interessen unter einen Hut zu bringen wird Jahre dauern. Mindestens. Bis dahin bleibt Venedig für Touristen ein Stück weit gefährlich. Vielleicht sollte man stattdessen auf einen Wellnessurlaub in Italien setzen? In der Toskana die Olivenhaine genießen und sich verwöhnen lassen? Zumindest ist das ungefährlicher als eine Fahrt mit der Gondel in Venedig.

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